Stefan Aust gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Journalisten Deutschlands. Kaum ein anderer Publizist hat die politische Berichterstattung, die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus der RAF und den medialen Diskurs über politische Lager so stark geprägt wie er. Sein Name steht für investigative Recherche, klare Meinungen – und für anhaltende Debatten über politische Haltung, journalistische Verantwortung und Nähe zur Macht. Doch wer ist Stefan Aust wirklich? Welche Rolle spielen seine Ehepartnerin, seine politische Einstellung, seine Haltung zur AfD und die immer wieder aufkommende Kritik an seiner Arbeit?
Herkunft, Ausbildung und journalistische Anfänge
Stefan Aust wurde 1946 in Stade geboren und wuchs in Norddeutschland auf. Schon früh interessierte er sich für Politik, Gesellschaft und Medien. Seine journalistische Laufbahn begann in den 1960er-Jahren, einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche in der Bundesrepublik. Aust arbeitete zunächst für verschiedene Rundfunkanstalten, darunter der NDR, und machte sich rasch einen Namen als engagierter, investigativer Reporter.
In dieser Phase entwickelte sich sein besonderes Interesse für politische Radikalisierung, Extremismus und staatliche Reaktionen darauf – Themen, die sein späteres Werk entscheidend prägen sollten.
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Der Durchbruch: RAF und „Der Baader-Meinhof-Komplex“
Seinen nachhaltigen Durchbruch erzielte Aust mit der journalistischen Aufarbeitung der Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF). Sein Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ gilt bis heute als eines der wichtigsten Standardwerke über den linken Terrorismus in Deutschland.
Aust gelang es, eine enorme Fülle an Aktenmaterial, Interviews und Zeitzeugenberichten zusammenzuführen. Das Werk zeichnet nicht nur die Gewaltgeschichte der RAF nach, sondern beleuchtet auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der 1970er-Jahre.
Die Verfilmung des Buches trug zusätzlich zur Popularität des Themas bei – und machte Aust auch einem jüngeren Publikum bekannt. Zugleich wurde ihm vorgeworfen, die Perspektive der Täter zu stark zu berücksichtigen oder staatliche Fehler zu relativieren. Genau diese Ambivalenz prägt bis heute die Bewertung seiner Arbeit.
Stefan Aust beim Spiegel und später bei Die Welt
Von 1994 bis 2008 war Stefan Aust Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. In dieser Zeit modernisierte er die Redaktion, setzte auf investigative Großrecherchen und öffnete das Magazin stärker für internationale Themen.
Nach seinem Ausscheiden beim Spiegel wechselte Aust zur Welt-Gruppe, wo er später Herausgeber wurde. Dieser Wechsel markierte für viele Beobachter auch eine wahrgenommene politische Verschiebung: Während der Spiegel traditionell eher links-liberal verortet wird, gilt Die Welt als konservativ-liberal.
Politische Einstellung: Wo steht Stefan Aust?
Die politische Einordnung von Stefan Aust ist bis heute Gegenstand von Diskussionen. Er selbst beschreibt sich nicht als Parteigänger, sondern als unabhängigen Journalisten. Dennoch wird er häufig dem liberal-konservativen Spektrum zugeordnet.
Aust betont regelmäßig die Bedeutung von Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und einer offenen Debattenkultur. Er kritisiert sowohl linke als auch rechte Extreme und warnt vor moralischer Selbstgewissheit im politischen Diskurs. Besonders scharf äußert er sich gegen ideologische Verengungen und das, was er als „Cancel Culture“ bezeichnet.
Stefan Aust und die AfD
Ein besonders sensibler Punkt ist das Verhältnis von Stefan Aust zur AfD. Kritiker werfen ihm vor, der Partei durch Analysen und Interviews indirekt Aufmerksamkeit zu verschaffen. Aust selbst weist diese Vorwürfe zurück.
Er argumentiert, Journalismus müsse erklären, warum Parteien wie die AfD Zulauf erhalten, statt sie nur moralisch zu verurteilen. Dabei betont er, dass Analyse nicht gleich Zustimmung sei. Eine ideologische Nähe zur AfD bestreitet Aust ausdrücklich.
Diese Position bringt ihm sowohl Zustimmung als auch scharfe Kritik ein – je nach politischem Standpunkt der Beobachter.
„Rechts?“ – Vorwürfe und öffentliche Debatten
Immer wieder taucht die Frage auf, ob Stefan Aust „rechts“ sei. Diese Zuschreibung ist jedoch stark kontextabhängig. Während linke Kritiker ihn als zu konservativ empfinden, sehen ihn andere als Vertreter der politischen Mitte.
Aust selbst lehnt einfache Etikettierungen ab. Er sieht sich als Journalist, der sich nicht an parteipolitischen Loyalitäten orientiert, sondern an Themen, Fakten und Argumenten. Gerade diese Haltung macht ihn für manche unbequem – und für andere glaubwürdig.
Kritik an Stefan Aust
Kaum ein deutscher Journalist wurde so häufig kritisiert wie Stefan Aust. Die Vorwürfe reichen von einer zu großen Nähe zu politischen Eliten über eine einseitige Themenauswahl bis hin zu einer vermeintlichen Verharmlosung rechter Positionen.
Auch seine Zeit beim Spiegel wird rückblickend kontrovers bewertet: Während Befürworter seine Führungsstärke und investigativen Erfolge loben, kritisieren andere seinen Führungsstil und strategische Entscheidungen.
Aust reagiert auf Kritik meist gelassen und verweist auf die Notwendigkeit pluraler Meinungen in einer demokratischen Öffentlichkeit.
Ehepartnerin und Privatleben: Katrin Aust

Über das Privatleben von Stefan Aust ist vergleichsweise wenig bekannt. Er ist mit Katrin Aust verheiratet, die gelegentlich bei öffentlichen Veranstaltungen an seiner Seite erscheint.
Aust selbst hält private Details bewusst aus der Öffentlichkeit heraus. In Interviews betont er, dass journalistische Arbeit und öffentliches Wirken nicht automatisch eine Offenlegung des Privatlebens rechtfertigen.
„Stefan Aust Wittlich“ – eine häufige Verwechslung
Im Internet taucht immer wieder der Suchbegriff „Stefan Aust Wittlich“ auf. Dabei handelt es sich um eine Namensgleichheit mit einer anderen Person, etwa einem Mediziner aus Rheinland-Pfalz. Diese Person steht in keinerlei Verbindung zum Journalisten Stefan Aust.
Für journalistische Arbeiten und Blogs ist diese Unterscheidung wichtig, um Fehlinformationen zu vermeiden.
Stefan Aust in Interviews – etwa bei Welt
In Interviews, unter anderem bei Die Welt, äußert sich Aust regelmäßig zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Seine Auftritte sind geprägt von analytischer Schärfe, klarer Sprache und der Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen – auch gegenüber Mehrheitsmeinungen.
Bedeutung und Vermächtnis
Stefan Aust hat den deutschen Journalismus über Jahrzehnte hinweg geprägt. Ob als Chefredakteur, Buchautor oder Kommentator: Seine Arbeiten haben Debatten angestoßen und Konfliktlinien sichtbar gemacht.
Man kann seine Positionen kritisieren oder ablehnen – ignorieren kann man sie kaum. Gerade darin liegt seine Bedeutung: als streitbarer Intellektueller in einer zunehmend polarisierten Medienlandschaft.
Fazit
Stefan Aust ist eine der prägendsten Figuren des deutschen Nachkriegsjournalismus. Seine Beschäftigung mit der RAF, seine Rolle beim Spiegel und bei Die Welt, seine politischen Analysen und die anhaltende Kritik an seiner Person machen ihn zu einer kontroversen, aber zentralen Stimme im öffentlichen Diskurs.
Auch auf unserem deutschen Blog „Ikonisch Welt“ steht Stefan Aust exemplarisch für die Frage, wie Journalismus zwischen Analyse, Meinung und Verantwortung heute funktionieren kann.

